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Ferien!

 

Heute muss ich mal wieder meine Liebe zu dieser Stadt und den Menschen hier aussprechen: Ich liebe Shanghai und die Leute hier! Komisch, wie man sich in so einer riesen-riesen-riesen Stadt so aufgehoben fühlen kann! Und diese Chinesen, die sind mir so sympatisch: So freundlich und oft so lustig, manchmal schüchtern und manchmal gar nicht. Und im Gegensatz zu vielen Westlern sind sie nicht so eklig überheblich. Das kann man natürlich alles nicht so pauschal sagen, es gibt natürlich auch hier die unterschiedlichsten Menschen. Aber so die Richtung, die gefällt mir.

Vielleicht liegt meine Euphorie auch ein bisschen an der Tatsache, dass ich jetzt Ferien hab, das Wetter endlich mal wieder schön ist und ich am späten Abend nach Hainan fliege und dort die Alma treffe! Schöne Aussichten. Hab auch ein bisschen Schiss, ob das alles so klappt und ich da ankomme, wo ich hin will. Aber es wird schon gehen. Ist auch aufregend irgendwie, ein kleines Abenteuer! Und der China-Johannes hat mir gesagt, dass ich ihn immer anrufen kann, wenn ich nicht weiterkomme ohne Chinesisch.

A propos China-Johannes (ein bisschen blöd, das immer so zu schreiben, aber sonst kommt es noch zu Verwirrungen mit meinem Liebsten), bei dem war ich ja am Dienstag zu Besuch. Das war sehr schön! Seine Mama hat uns bekocht und ich hab einfach alles probiert und sogar die Flusskrebse und die riesen Shrimps und so ein Glibberzeug-Seafood (ich mag eigentlich kaum was, das aus dem Wasser kommt). Und das war alles voll lecker!!! Echt jetzt. Hat gar nicht nach Meer geschmeckt. Nur ein bisschen schwierig das mit Stäbchen zu essen, also hab ich gesaut. Und die Mutter vom Johannes war sehr nett, am Ende hat sie mir eine Flasche selbst gemachten Wein abgefüllt und mitgegeben und natürlich Mondkuchen. Morgen wird nämlich in China das Mondfest gefeiert und da schenkt man sich Mondkuchen gegenseitig. Ich hatte keine zum verschenken, dafür hab ich gute RitterSport Schokolade mitgebracht (die gibt’s hier zum Glück, aber halt teuerer). Die Wohnung vom Johannes und seinen Eltern ist total winzig. Sein Zimmer ist ungefähr so groß wie mein Bett – da kommt man sich schon ein bisschen komisch vor, wenn man so im Luxus lebt wie wir... Obwohl die Wohnung objektiv gesehen ziemlich ungemütlich eingerichtet war (in China gibt es keine Gemütlichkeit, sogar das Wort dafür fehlt in der Sprache), hab ich mich sehr wohl und heimelig gefühlt. Es war irgendwie schön bei einer Familie zu Gast zu sein. Eigentlich wollten wir nach dem Essen ins Kino gehen, aber da liefen nur chinesische Filme, also haben wir einen Film am Laptop geguckt. Und ich hab das Haustier vom Johannes gesehen: Eine riesigen wuschelige Art von einer Maus. Die Nase von dem Tier sah ein bisschen rüsselig aus. Lustiges Tier, aber arm dran, weil es in einem ziemlich kleinen Käfig wohnt (für chinesische Verhältnisse ist der wahrscheinlich groß.

Gestern (unser erster Ferientag!) hab ich die Kathi besucht. Die wohnt mit ihrem Freund hier in einer tollen Wohnung im 32. (!) Stock mitten in Shanghai. Beneidenswert. Und sie haben einen Backofen (auch das ist beneidenswert) und mit dem hat die Kathi gestern einen herrlichen Apfelstrudel gebacken! Später sind wir los gezogen, haben erst ihren Freund bei seiner Arbeit abgeholt und sind dann durch die Taikang Lu gelaufen. Da war ich vorher noch nicht und ich war ganz entzückt! Das sind lauter kleine Gassen, total verwinkelt und zum verirren, in denen viele kleine nette Kneipen, Restaurants und Geschäfte sind. Relativ teuer eben und touristisch, aber sooo schön. Da muss ich unbedingt bald wieder hin zum durchschlendern. Danach hat die Kathi eine selber-zusammenstell-Suppe mit Fliege drin gegessen. Lecker. In meiner Suppe neulich, war auch eine Fliege drin, aber die war winzig. Kathis nicht. Naja, wir haben trotzdem weitergegessen. Ja und danach haben wir uns mit Johannes, der seine Kusine mitgebracht hat, Silvia und ihrem Freund und Sebastian getroffen um das Feuerwerk zum 60. China-Geburtstag anzugucken. Bombastisch und 60 Minuten lang war es. Am Straßenrand standen Fahrräder mit einer Zuckerwattemaschine hintendrauf! Habs fotografiert, das sah echt so herrlich aus. Nach dem Feuerwerk sind wir in der Französischen Konzession in einem Döner-Restaurant gelandet und später im Zapatas, das ist eine Westler-Bar. Von diesem Laden hatte ich vorher nur gehört, dass es da oft Cocktails billiger oder manchmal auch für Frauen umsonst gibt und dass das der One-Night-Stand-Abschlepp-Ort ist. Tatsächlich war es da gar nicht so schlecht. Naja, die Leute... aber sonst war es ganz nett. Die Kusine vom Johannes war so goldig, sie war nämlich noch nie vorher in so einer Bar (da war laute Musik und es wurde getanzt) und hatte ein bisschen Respekt, deswegen hat sie dann meine Hand genommen, damit wir uns nicht verlieren. Das machen Chinesen voll oft, sieht man dauernd auf der Straße. Nicht nur Frauen, auch Männer nehmen sich an der Hand und laufen so rum. Ich war erst etwas überrascht, hab mich dann aber sehr chinesisch gefühlt! ;-) Ich glaub es hat ihr ganz gut gefallen, sie hat immer gesagt, dass sie es so interessant findet, vor allem dann, als Frauen und Männer auf die Bar geklettert sind und da getanzt haben. Das hat sie sehr fasziniert – mich aber auch... War ein sehr schöner Abend gestern.

Vorhin war ich ein bisschen shoppen, da gibt’s ein niegelnagelneues Einkaufszentrum hier in unsrer Straße – voll schick und riesengroß! Hab eine tolle große Tasche gekauft und ein Kulturbeutelchen. Und mal wieder einen Lecker Bobbel-Milch-Tee! Mmhhhh! Diese Bobbels sehen ein bisschen so aus, wie überdimensionaler Kaviar.


So, in drei Stunden brech ich auf! Hui! Ich bin sehr gespannt. Am Mittwoch war da ein Taifun auf Hainan, aber jetzt ist das Wetter besser, das ist fein.

3 Kommentare 2.10.09 09:19, kommentieren



Hainan und so weiter

 

Endlich schreib ich mal wieder. Mein Hainan-Urlaub war sehr toll! Ist schon wieder so lang her. Drei Wochen glaub ich. Fünf Tage lang sind Alma und ich mit Elektrorollern über die Insel gefahren. Das war ein Erlebnis!!! Wir sind ein bisschen an der Ostküste entlang nach Norden gefahren und dann durch die Berge wieder zurück. Haben uns immer einfach da was zum Übernachten gesucht, wo wir abends angekommen sind. So sind wir in Orte gekommen, in die sich sonst kein Tourist verirrt und haben die geilsten Landschaften gesehen! Das war so spannend! Die Leute da kennen keine Westler, wir waren voll die Attraktion da. Ohne die Alma, die ja Chinesisch spricht, hätte ich mich das nie getraut. Wär auch ziemlich kompliziert gewesen, weil da echt niemand Englisch kann. Unsere Unterkünfte waren sehr einfach und manchmal eklig, aber das ging schon mal. Mit den tollen Elektrorollern konnten wir nicht sehr schnell fahren und außerdem halten die Akkus einfach nicht sehr lang, so dass wir fast jeden Abend irgendwann auf irgendeiner Straße standen und bis zur nächsten Steckdose schieben mussten. Die meisten Leute denen wir da begegnet sind waren sehr hilfsbereit und so konnten wir unsre Roller immer in einem Restaurant oder einer Werkstatt oder auch einfach bei Leuten vorm Haus aufladen. Einmal wars etwas schwierig, weil die Roller mitten im Nirdendwo auf einer einsamen unbeleuchteten Straße (unbeleuchtet waren sie eigentlich alle) stehengeblieben sind und es schon bald dunkel wurde... tja, da haben wir dann also geschoben und uns immer gefreut, wenns bergab ging. Ein Mann mit einem klitzekleinen Motorradtaxi wollte uns abschleppen, aber das war total unmöglich! Der hatte ernsthaft vor unsre Roller und uns mit seinem Taxi zu transportieren. Ich weiß nicht, ob ihr euch die Dimensionen vorstellen könnt, aber so ein Motorradtaxi ist echt winzig, da können sich grad so zwei Leute reinquetschen. Und niemals passt da auch nur ein Roller drauf. Aber er wollte es unbedingt probieren und in unsrer Verzweiflung und weil wir dachten, der wird schon seine Tricks haben und ein Beladungskünstler sein, wie so viele Chinesen (es ist unglaublich, was hier auf einem Fahrrad alles transportiert wird, gestern hab ich eins gesehen, das war mit Styropor-Dingern beladen, höher als ein LKW!!!), haben wir ihn irgendwann probieren lassen, nachdem er ewig neben uns hergefahren ist, während wir den letzten Saft aus den Rollern geholt haben und auf der Straße dahingekrochen sind. Diese Situation war herrlich: Eine unmögliche Mission, aber Alma und der schmächtige Chinese in seinem weißen Hemd haben versucht den einen Roller auf das Taxi zu hiefen und da kam ein anderer Mann auf nem Motorrad vorbei, auf das er hinten eine riesen Box draufgeschnallt hatte, aus der die schlechteste Musik aller Zeiten in einer krassen Lautstärke kam. Der Mann mit dem Musikmotorrad hat angehalten und ungläubig zugeguckt. Irgendwann haben sies dann aufgegeben und wir haben weiter geschoben. Das klingt jetzt vielleicht nicht so beeindruckend, aber ich stand da daneben und war erschöpft und albern und verzweifelt (nicht wirklich) und hab einfach nur gelacht. Das war ein herrliches Bild... mit Ton! Nach einer halben Stunde weiterschieben und runterrollen und lachen kam dann ein Mann in einem größeren Gefährt mit richtiger Ladefläche vorbei. Da wars schon ziemlich dämmrig und der Mann hat uns und die Roller in zwei Fuhren ins nächste Dorf gefahren. Guter Mann. Ein besoffener Chinese der da auf der Straße rumstand, keine Ahnung warum, hat auf den einen Roller aufgepasst, während wir den anderen ins Dorf gefahren haben. Das war wirklich ein Abenteuer... In einer anderen Nacht hat ein Mann eine halbe Stunde lang mitten in der Nacht an unsre Zimmertür geklopft und uns damit voll Angst gemacht! Der hat einfach nicht aufgehört, wollte dass wir die Tür aufmachen und rauskommen, irgendwann meinte er, er wollte uns zum Essen einladen... und er hat probiert die Tür aufzukriegen. Zum Glück war er dazu glaub ich zu besoffen, das Schloss bestand nämlich nur aus einem wackeligen Riegel. Keine Ahnung was der wirklich wollte, der chinesische Johannes meinte als ich ihm davon erzählt hab, dass der uns ausrauben wollte und dass das öfter vorkäm. Nun ja. Der Urlaub war also aufregend. Die restliche Zeit, nachdem die Alma zurück nach Deutschland geflogen ist, hab ich in Sanya, DER Touristenstadt auf Hainan, verbracht. Das war auch ganz nett, ich war eigentlich nur am Strand. Und ich war nicht ganz alleine, weil Sebastian und eine andere Praktikantin von der Schule (Nina) auch da waren. So war der Urlaub eine schöne Mischung aus Abenteuer und Gammelei.

Jetzt bin ich schon eine ganze Weile hier in China und es gefällt mir immer noch! Immer besser sogar. Aber es gibt auch nervige bzw. schreckliche Sachen. Nervig ist, dass es immer so lange dauert, bis man von einem Ort zum anderen kommt. Wir wohnen U-Bahn-mäßig ziemlich ungeschickt und die Busse stehen halt immer im Stau. Also immer, wirklich immer. Nachts ist kein Stau, aber da fahren auch keine Busse mehr, da muss man Taxi fahren. Schrecklich an China ist z.B., dass keiner hilft, wenn in diesem mörderischen Verkehr hier mal jemand unter die Räder kommt. Das liegt nicht daran, dass die Chinesen weniger hilfsbereit wären, sondern an den rechtlichen Scheiß-Bedingungen. Es ist hier nämlich so, dass man als Erste-Hilfe-Leister ganz schnell angeklagt wird und zahlen muss. Keine Ahnung, wie das genau ist, aber nicht gut auf jeden Fall. Also lassen da alle lieber die Finger davon. Wurde uns auch so gesagt, dass wir das nicht machen sollen. Am Donnerstag hab ich in der Schule bei nem Erste-Hilfe-Auffrischungskurs mitgemacht, weil ich nächste Woche mit der dritten Klasse auf Klassenfahrt fahre. Das war gut, hab gar nix mehr gewusst von dem Führerschein-Erste-Hilfe-Kurs. Und am Freitag auf der Heimfahrt von der Schule lag vor dem Bus mitten auf der Straße ein Mann, neben ihm sein Roller. Der hat geblutet und war bewusstlos und die Leute standen einfach nur um ihn rum, keiner hat was gemacht. Irgendwann kam dann schon die Polizei, aber kein Krankenwagen. Das mit den Krankenwagen ist nämlich auch so ne Sache: Die kommen nicht durch! Und meistens ist da auch kein Mediziner drin, nur Fahrer und keine Ausstattung. Echt schlimm. Und es war ein beschissenes Gefühl da nix machen zu können. Naja, also das ist sowas, was ich hier scheiße find. Kann man nur hoffen, dass einem nix passiert.

Heute Abend war ich bei einer Halloween-Dumpling-Party von Kerstins Sprachschule. Das war witzig, weil wir da Dumplings selber gemacht haben auf dem Hof vor der Schule. Dumplings sind so ganz geil leckere Teigtaschen, wie Ravioli so ähnlich. Danach durften wir sie natürlich auch essen und dazu gabs Getränke und alles umsonst. Das war fein.

Ja und nächste Woche fahr ich dann mit der dritten Klasse, in der ich mithelfe, auf Klassenfahrt. Bin sehr gespannt, wird sicher anstrengend... Aber ich mag die Klasse und auch die Erwachsenen, die mitfahren. Da fahren nämlich alle dritten Klassen zusammen. Die Nina (die Praktikantin, die auch auf Hainan war) ist auch dabei und die Kerstin, die ist nämlich Klassenlehrerin von meiner dritten Klasse.

Um euch ein bisschen neidisch zu machen: Das Wetter hier ist sommerlich warm! Herrlich! Bei der Dumpling-Party heute saß ich abends im T-Shirt draußen... und tagsüber ist es teilweise noch bzw. wieder richtig heiß. Demnächst solls aber kalt werden. Das wird dann scheiße, weils hier keine Heizungen gibt.

Und: Juhuuu, die Lotta besucht mich in den Weihnachtsferien!

31.10.09 17:18, kommentieren

Hainan-Fotos

Hab auch Fotos von Hainan ins Netz gestellt. Hier nochmal der Link: http://www.flickr.com/photos/8678612@N06/

2 Kommentare 31.10.09 17:25, kommentieren